Kausalität

Die Kausalität (oder auch „Äquivalenztheorie“ oder lat. „conditio sine qua non“) hinterfragt den naturwissenschaftlichen Zusammenhang zwischen Tathandlung und Taterfolg (in seiner konkreten Gestalt).

Im Regelfall ist diese unproblematisch und kann in einem Satz abgehakt werden, jedoch gibt es einige Sonderfälle bei denen eine ausführlichere Prüfung notwendig ist.

Beachte, dass die Kausalität nur bei Erfolgsdelikten geprüft wird!

Definition

Eine Handlung ist dann kausal für den Erfolg, wenn sie nicht hinweggedacht werden kann, ohne dass der Erfolg in seiner konkreten Gestalt entfiele.

Sonderfälle

1

Beim Unterlassen

Ein Unterlassen ist dann kausal für den Erfolg, wenn die vorzunehmende Handlung nicht hinzugedacht werden kann, ohne dass der Erfolg mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit entfiele.

2

Kumulative Kausalität

Diese liegt vor, wenn von mehreren Handlungen keine hinweggedacht werden kann, ohne dass der Erfolg in seiner konkreten Gestalt entfiele.

⇒ Strikte Anwendung der conditio‑sine‑qua‑non‑Formel

Beispiel: A und B schütten unabhängig voneinander jeweils eine Dosis Gift in den Kaffee von O. O stirbt. Nur durch das Zusammenwirken beider Gifte kommt es zur tödlichen Wirkung. Jeweils einzeln verabreicht, hätten die beiden Gifte nicht den Tod von O verursacht. Kausalität (+), aber objektive Zurechnung (−)

3

Alternative Kausalität

Jede Handlung ist kausal, die alternativ (aber nicht kumulativ) hinweggedacht werden kann, ohne dass der Erfolg in seiner konkreten Form entfiele.

⇒ Modifizierte Anwendung der conditio‑sine‑qua‑non‑Formel

Beispiel: A und B schütten unabhängig voneinander jeweils eine tödliche Dosis Gift in den Kaffee von O. O stirbt. Sowohl das Gift von A als auch das von B alleine hätte gereicht, um O umzubringen. Kausalität für A und B (+)

4

Überholende Kausalität

In dieser Konstellation setzt eine Person eine Ursache, die den Taterfolg herbeiführen würde. Eine zweite Person setzt eine weitere Ursache, die tatsächlich den Taterfolg herbeiführt.

⇒ Beachte: Taterfolg in seiner konkreten Gestalt

Beispiel: A vergiftet das Essen des O mit einer tödlichen Dosis Rattengift. Noch bevor O das Essen verspeisen kann, kommt B und erschießt O.

5

Hypothetische Kausalität — nicht hinzudenken!

Eine hypothetische Kausalität liegt vor, wenn ein Ereignis für den Erfolg zwar tatsächlich nicht ursächlich war, der Erfolg aber auch ohne dieses Ereignis auf andere Weise eingetreten wäre.

⇒ Beachte: Taterfolg in seiner konkreten Gestalt

Beispiel: Der krebskranke O hat nur noch wenige Wochen zu leben. Seinem habgierigen Sohn S dauert das Sterben zu lange. Um schneller zu erben, vergiftet er seinen Vater. Konkrete Gestalt des Erfolges (also hier Gift‑ nicht Krebstod) entscheidend! Kausalität (+)

Zuletzt aktualisiert vor 1 Monat

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